Viele der Führungskräfte, mit denen ich arbeite, sind politisch. Eigentlich alle, wenn ich genauer hinsehe. Nicht wenige engagieren sich darüber hinaus in Parteien, im Stadt- oder Gemeinderat, im Kreistag, in Verbänden oder Initiativen. Gerade in Wahlzeiten wird dieses politische Selbstverständnis sichtbarer, weil die Appelle lauter werden, sich zur Demokratie zu bekennen, wählen zu gehen und Haltung zu zeigen. Wer mich kennt, weiß, dass ich solche Appelle grundsätzlich unterstütze. Und trotzdem bleibt für mich eine Frage offen, die sich nicht mit einem einfachen Bekenntnis erledigen lässt: Soll Führung politisch sein?
Die Kriege in Dir
Die Kriege verschwinden nicht, wenn die Waffen schweigen. Sie leben weiter in Erinnerungen, in Familiengeschichten, in Schuld, Angst und Schweigen. Ausgehend von der Geschichte seines Großvaters fragt René Märtin, wie die Kriege der Vorfahren, die Kriege der Gegenwart und die eigenen inneren Konflikte miteinander verbunden sind. Ein Impuls über Trauma, Mitgefühl und die langen Schatten der Vergangenheit. Und über die Frage, wo Frieden wirklich beginnt. Vielleicht nicht zwischen Staaten – sondern im Menschen selbst.
Frozen Faces
Manchmal sind es nicht die lauten Konflikte, die Organisationen erschöpfen, sondern die Gesichter, in denen nichts mehr sichtbar wird. Führungskräfte berichten zunehmend davon, dass sie ihre Teams zwar sehen, aber nicht mehr wirklich lesen können. Kameras sind eingeschaltet, Meetings laufen professionell, alle wirken anwesend – und doch fehlt Resonanz. Was geschieht mit Führung, wenn Menschen sich immer besser verbergen? Und wie kann wieder Beziehung entstehen, wo alle funktionieren, aber kaum jemand erreichbar ist?
Macht muss lernen gut zu sein
Macht hat keinen guten Ruf – und doch lässt sich Führung ohne sie nicht denken. In einer Zeit wachsender Unsicherheit kehrt ein alter Gedanke zurück: dass Macht eigenen Gesetzmäßigkeiten folgt und sich nicht einfach moralisch einhegen lässt. Gerade deshalb wächst die Versuchung, sie zu vereinfachen – als Härte, als Durchsetzung, als klare Entscheidung. Die eigentliche Herausforderung liegt nicht darin, Macht zu vermeiden, sondern sie neu zu verstehen: als Beziehung, als Frage und als Verantwortung.
Wer sich traut wird wirklich frei
Vertrauen ist kein freundliches Gefühl, das sich einstellt, wenn die Umstände stimmen, sondern eine Haltung, die sich im Ungewissen bewähren muss. Es beginnt oft nicht mit Sicherheit, sondern mit einem kleinen Getrauen, das gegen die innere Enge antritt. Manchmal ist Vertrauen nur ein Handschlag im kalten Licht, und doch liegt darin eine ganze Lebensbewegung. Wer vertraut, gibt etwas voraus, ohne zu wissen, ob es zurückkommt; wer misstraut, schützt sich, aber zahlt einen Preis. Zwischen Grundvertrauen, Selbstvertrauen und Beziehungstreue entscheidet sich, wie bewohnbar die Welt für einen Menschen wird.
Wir alle spielen nur Theater?
Führung hat viele Gesichter – und manchmal fühlt es sich an, als würde man sie wie Masken wechseln: hier Zuversicht, dort Härte, dazwischen Müdigkeit. In einem Workshop mit Regionalgeschäftsführern wurde aus der Reflexion über „zehn Rollen“ plötzlich eine existenzielle Frage: Kann ich all diese Hüte tragen – und dabei noch ich bleiben? Dieser Text führt entlang einer Trias aus Selbst, Raum und Beziehung dorthin, wo Rollenspiel nicht mehr Technik ist, sondern Wahrheit: Aneignung oder Entfremdung, Sicherheit oder Angst, Macht oder Gegenseitigkeit.





