Macht hat keinen guten Ruf – und doch lässt sich Führung ohne sie nicht denken. In einer Zeit wachsender Unsicherheit kehrt ein alter Gedanke zurück: dass Macht eigenen Gesetzmäßigkeiten folgt und sich nicht einfach moralisch einhegen lässt. Gerade deshalb wächst die Versuchung, sie zu vereinfachen – als Härte, als Durchsetzung, als klare Entscheidung. Die eigentliche Herausforderung liegt nicht darin, Macht zu vermeiden, sondern sie neu zu verstehen: als Beziehung, als Frage und als Verantwortung.
Wir alle spielen nur Theater?
Führung hat viele Gesichter – und manchmal fühlt es sich an, als würde man sie wie Masken wechseln: hier Zuversicht, dort Härte, dazwischen Müdigkeit. In einem Workshop mit Regionalgeschäftsführern wurde aus der Reflexion über „zehn Rollen“ plötzlich eine existenzielle Frage: Kann ich all diese Hüte tragen – und dabei noch ich bleiben? Dieser Text führt entlang einer Trias aus Selbst, Raum und Beziehung dorthin, wo Rollenspiel nicht mehr Technik ist, sondern Wahrheit: Aneignung oder Entfremdung, Sicherheit oder Angst, Macht oder Gegenseitigkeit.

