Viele der Führungskräfte, mit denen ich arbeite, sind politisch. Eigentlich alle, wenn ich genauer hinsehe. Nicht wenige engagieren sich darüber hinaus in Parteien, im Stadt- oder Gemeinderat, im Kreistag, in Verbänden oder Initiativen. Gerade in Wahlzeiten wird dieses politische Selbstverständnis sichtbarer, weil die Appelle lauter werden, sich zur Demokratie zu bekennen, wählen zu gehen und Haltung zu zeigen. Wer mich kennt, weiß, dass ich solche Appelle grundsätzlich unterstütze. Und trotzdem bleibt für mich eine Frage offen, die sich nicht mit einem einfachen Bekenntnis erledigen lässt: Soll Führung politisch sein?
Frozen Faces
Manchmal sind es nicht die lauten Konflikte, die Organisationen erschöpfen, sondern die Gesichter, in denen nichts mehr sichtbar wird. Führungskräfte berichten zunehmend davon, dass sie ihre Teams zwar sehen, aber nicht mehr wirklich lesen können. Kameras sind eingeschaltet, Meetings laufen professionell, alle wirken anwesend – und doch fehlt Resonanz. Was geschieht mit Führung, wenn Menschen sich immer besser verbergen? Und wie kann wieder Beziehung entstehen, wo alle funktionieren, aber kaum jemand erreichbar ist?

