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22. September 2025 by René Märtin

Selbstwert: Was uns wirklich stärkt

Momente erleben, in denen Selbstwert spürbar wird. © Foto: Carsten Zündorf Hinweis zum Fotografen »
Momente erleben, in denen Selbstwert spürbar wird. © Foto: Carsten Zündorf Hinweis zum Fotografen »

Selbstwert ist mehr als ein gutes Gefühl. Er ist die innere Kraft, die uns trägt – auch dann, wenn unser Grundwert erschüttert wurde. Während der Grundwert die mitgegebene Würde unseres Daseins bezeichnet, ist der Selbstwert das, was wir uns selbst zusprechen: Vertrauen, Mut, Sinn. Er wächst nicht allein aus der Anerkennung anderer, sondern dort, wo wir uns selbst ernst nehmen, unserer eigenen Stimme treu bleiben und Verantwortung für unser Leben übernehmen. Echten Selbstwert finden wir, wenn wir lernen, auch in schwierigen Zeiten Sinn zu entdecken und uns von innen heraus zu stärken.

Grundwert und Selbstwert

Wir alle tragen einen Grundwert in uns. Viktor Frankl beschreibt ihn als eine tiefgreifende, existenzielle Überzeugung: das innere Gefühl, dass wir selbst und unser Leben an sich gut und wertvoll sind. Dieses Fundament ist mehr als ein Gedanke – es ist ein stilles »Ja« zum Leben, das uns befähigt, Sinn wahrzunehmen und Werte zu verwirklichen. Der Grundwert ist unser innerer Bezugspunkt für Beziehungen – zu uns selbst ebenso wie zur Welt. Er ist Voraussetzung für Sinnfindung und bildet die Grundlage für unsere Entscheidungen und Wertbezüge.

Ein stabiler Grundwert wirkt wie ein Schutzfaktor: Er bewahrt uns vor existenzieller Verzweiflung, schenkt innere Stabilität und Richtung. Doch wir wissen auch: Grundwert kann erschüttert werden. Wer frühe Ablehnung oder Missachtung erfährt, trägt oft tiefe Verletzungen. Sie lassen sich nicht einfach »heilen«. Aber wir haben eine zweite Ressource: den Selbstwert.

Selbstwert ist nicht gegeben, sondern erworben. Er entsteht, wenn wir uns selbst zusprechen: »Ich kann mir vertrauen.« Er wächst im Handeln, im Bestehen von Herausforderungen, im Mut, uns auf das Leben einzulassen. Selbstwert kann den verletzten Grundwert nicht ersetzen – aber er kann uns stärken, stabilisieren und uns ermöglichen, auch mit Brüchen ein erfülltes Leben zu gestalten.

Das von mir zur Illustration ausgewählte Foto hat Carsten Zündorf auf Langeland aufgenommen. Daniel, der an diesem Tag seinen 200. Fallschirmsprung absolvierte, kam nach der Landung voller Stolz direkt auf ihn zu und klatschte ihn lachend ab. Ein »High Five« als sichtbares Zeichen des Gelingens. Für mich ist dieses Bild ein Sinnbild dafür, wie Selbstwert entsteht: Wir wagen etwas, bestehen eine Herausforderung – und spüren in uns selbst eine Kraft, die uns trägt. Und das ist genau das, was ich selbst aus eigener Beobachtung heraus immer wieder staunend erlebe. Doch die Voraussetzung dafür ist jedoch immer wieder der »Sprung« ins zumeist Ungewisse – und der erfordert Übung und Entschiedenheit.

Die Falle der Anerkennung

Häufig verwechseln wir allerdings Selbstwert mit dem, was andere über uns denken. Applaus, Zustimmung und Erfolg tun gut, aber sie sind kein verlässliches Fundament. Echten Selbstwert finden wir nicht im Spiegel der Meinungen anderer, sondern in der Treue zu uns selbst.

Der deutsch-US-amerikanische Psychoanalytiker und Philosoph Erich Fromm hat das in seiner Schrift Man for Himself (Psychoanalyse und Ethik, 1947) deutlich benannt: »Das Selbstvertrauen, das ›Gefühl des Selbst‹, ist lediglich ein Hinweis darauf, was andere vom Menschen denken. Es ist nicht er, der von seinem Wert überzeugt ist – unabhängig von Popularität und Erfolg auf dem Markt.« – Fromm macht klar: Wer seinen Wert allein daran misst, wie er ankommt, begibt sich in Abhängigkeit. Ein solcher Selbstwert ist schwankend, weil er von Faktoren abhängt, die wir nicht kontrollieren können. Wirklicher Selbstwert entsteht dagegen, wenn wir eine innere Gewissheit entwickeln, dass unser Leben Wert hat – unabhängig davon, ob wir gerade Erfolg haben oder Zustimmung erfahren. Selbstwert ist dann keine Leihgabe der Gesellschaft, sondern eine Gewissheit, die von innen wächst.

Der Existenzpsychologe Rollo May hat diesen Gedanken in Der Mut zu schaffen (1994) vertieft: »Wenn du deine eigenen ursprünglichen Ideen nicht zum Ausdruck bringst, wenn du nicht auf dein eigenes Wesen hörst, wirst du dich selbst verraten.« – May weist auf die Gefahr hin, dass wir uns selbst verlieren, wenn wir uns zu stark anpassen. Wer seine eigene Stimme übergeht, verstummt innerlich – auch dann, wenn er nach außen erfolgreich erscheint. Selbstwert bedeutet deshalb, die eigene Originalität ernst zu nehmen und ihr Raum zu geben, auch wenn das unbequem ist oder Widerstand hervorruft. Erst wenn wir uns selbst nicht verraten, wachsen wir in unsere innere Stärke hinein.

So wird deutlich: Einerseits liegt die Gefahr darin, den eigenen Wert von äußerer Anerkennung abhängig zu machen. Andererseits besteht die Aufgabe darin, dem eigenen Wesen treu zu bleiben und die innere Stimme ernst zu nehmen. Beides weist auf eine Quelle des Selbstwerts hin, die nicht vom Applaus lebt, sondern aus Wahrhaftigkeit erwächst.

Selbstwert als gelebte Haltung

Hier setzt Viktor Frankl an. Für ihn erwächst Selbstwert aus dem Bewusstsein unserer inneren Freiheit und aus der Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen Sinn zu finden. Wir sind frei, unsere Haltung zu wählen – selbst unter widrigsten Umständen. Diese Freiheit des Willens macht uns nicht nur zu Betroffenen, sondern zu Gestaltenden unseres Lebens.

Frankl spricht vom Willen zum Sinn: Der Mensch ist zutiefst wert- und sinnorientiert. Wird dieser Wille blockiert, geraten wir in eine Krise. Doch wir haben die Verantwortung, selbst aus Leid etwas Sinnvolles zu machen – eine Tragödie in einen Triumph zu verwandeln. Darin liegt die Quelle eines tragfähigen Selbstwerts. Häufig stehen wir uns selbst dabei aber im Wege und Frankl selbst hat das mit viel Humor so beschrieben: »Man muss sich von sich selbst nicht alles gefallen lassen.« – Dieser Satz gilt in zwei Richtungen. Zum einen: Wir dürfen uns nicht von Selbstsabotage schwächen lassen – nicht durch das Kleinreden unserer Möglichkeiten oder das ständige Zweifeln am eigenen Wert. Zum anderen: Wir können uns durch Selbstermächtigung stärken – indem wir uns ermutigen, neue Schritte zu wagen, Verantwortung zu übernehmen und Sinn zu gestalten.

So wird deutlich: Ein Selbstwert, der nur von außen bestimmt ist, bleibt fragil. Nachhaltiger Selbstwert erwächst aus der inneren Haltung, Verantwortung zu übernehmen und Sinn zu finden – auch in tragischen Situationen. Das bedeutet praktisch: unsere innere Einstellung zu pflegen, achtsam mit uns umzugehen, Muster zu erkennen und zu verändern, und uns nicht von äußeren Erfolgen oder Meinungen abhängig zu machen. Selbstwert wächst, wenn wir in jeder Lage – so schwer sie auch sein mag – ein Stück Sinn finden und darin eine Quelle innerer Stärke.

Vielleicht ist das die größte Aufgabe: den verletzlichen Grundwert in uns zu achten und gleichzeitig den Selbstwert bewusst zu nähren. Denn er ist die Kraft, mit der wir uns trotz Verletzungen behaupten, mit der wir Krisen bestehen und immer wieder aufstehen. Das Bild von Daniel nach seiner Landung bleibt mir dafür ein Symbol. Sein Stolz, sein Leuchten – mehr als das Spiel der freigesetzten Glückshormone – machen sichtbar: Selbstwert entsteht, wenn wir uns etwas zutrauen. Er bleibt tragfähig, solange wir ihn nicht allein vom Urteil anderer abhängig machen. Selbstwert ist die Kraft, die uns wirklich stärkt. Er schenkt uns die Freiheit, uns selbst zu vertrauen – auch dann, wenn das Leben uns erschüttert.

Wie denken Sie darüber? Schreiben Sie mir gern!

Ihr

René Märtin

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Kategorie: Impulse für ein sinnvolles Leben Stichworte: Achtsamkeit, existenzielle Kraft, Grundwert, innere Freiheit, innere Haltung, Innere Stärke, Lebensbejahung, Mut, Persönliche Entwicklung, Resilienz, Selbstannahme, Selbstermächtigung, Selbstfürsorge, Selbstvertrauen, Selbstwert, Sinn, Unabhängigkeit, Verantwortung, Vertrauen, Wahrhaftigkeit

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